Warum die Hauptstadt dieses Landes übersetzt „gute Winde“ heißt, wurde mir schon auf der ersten argentinischen Etappe klar. Und natürlich kam der Wind nicht von hinten, sondern mitten in die Fresse. Ich sollte mich daran gewöhnen, später wird es auch nicht besser…

Dass ich in einem anderen Land war, habe ich so richtig in Jujuy, der ersten Großstadt, wahrgenommen; erst recht später in Salta, wo ich mich wie nach Südeuropa katapultiert gefühlt habe. Da wird die Siesta von 13 bis 17 Uhr knallhart durchgezogen, und dass du als armer Radler nach einer 100-km-Fahrt nur noch Futtern willst, juckt hier auch keine Sau: vor 20 Uhr sind sämtliche Restaurants dicht. Dafür erwacht das Leben ungefähr zu dieser Zeit, und bis spät in die Nacht sind die Straßen voll. Die ersten Kontakte zu Argentiniern waren sehr positiv, sie sind im Gegensatz zu Peruanern und Bolivianern kontaktfreudiger und interessierter. Ich war auch mehrfach Touriattraktion und wurde mit meinem Bike dutzendfach von Reisegruppen abgelichtet, die in Kleinbussen chauffiert werden und an jeder Sehenswürdigkeit zum Fotostopp halten. In Concepción hat mich sogar ein Fernsehteam um ein Interview gebeten, ich habe abgelehnt, weiß auch nicht warum….

Nach dem Weltkulturerbe Humahuaca, dem relativ untouristischen Jujuy, der hübschen Großstadt Salta habe ich Cafayate besucht, eine Weinstadt mit gut zehntausend Einwohnern. Danach ging es noch einmal von rund 2.000m auf 3.000m – innerhalb von 30 km, das war ganz schön hart. Die Belohnung kam am darauffolgenden Tag, an dem es diesmal endgültig auf rund 700 Höhenmeter hinunterging. Ab sofort wird es bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland sommerlich warm bis höllenheiß sein. Das nächste Ziel ist Córdoba, die zweitgrößte Stadt des Landes, wo Anfang Dezember die 1000 Millas Sport stattfindet, eine Oldtimer-Rallye wie die 1000 Miglia in Italien. Ich werde mir einen Mietwagen nehmen (nach 5 Monaten endlich wieder Autofahren, hoffentlich kann ich es noch) und die Rallye begleiten.