Die Stadt Maldonado ist mein Ausgangsort für die Erkundung des wenige km entfernten Punta del Este und des sich zig km Richtung Osten ziehenden Küstenabschnitts, wo sich Schicki und Micky Gute Nacht sagen, nachdem sie in einem der ultrateuren Lokale gespeist und gefeiert haben. Die Saison beginnt hier im Januar und dauert nur wenige Wochen, dann füllt sich der Ort mit Tausenden gut betuchten Südamerikanern, auch Amis und Europäer sind anzutreffen. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten hier, denn hier will man sehen und selbst gesehen werden. Der Yachthafen hat mich wieder an meine schöne Segelerfahrung auf Mallorca vor einigen Jahren erinnert und ich habe hier viel Zeit verbracht; Marinas sind für mich ein echter Ruhepol mit den schaukelden Yachten, den Möwen und dem ganzen Flair der großen weiten Welt.
An Heiligabend gibt es hier Feuerwerk und Böller, wie bei uns an Silvester, danach wünscht man sich erst ein Frohes Fest. Geschenke gibt es am 25. und der 26. ist ein ganz normaler Arbeitstag.
Nach Weihnachten ging es in die Hauptstadt Montevideo, unterwegs habe ich die beiden brasilianischen Radler Ciro und Bruno kennengelernt, die sich mir angeschlossen haben, so dass wir gemeinsam in die Metropole eingerollt sind. Ich hatte mit den beiden und mit noch einigen anderen aus dem großen Hostal einige witzige Tage und Nächte verbracht.
Montevideos Lage und Architektur erinnert ein bisschen an Havanna, wenn auch die etwas durcheinander wirkende Mischung aus alten Kolonialhäusern und Glitzergebäuden etwas irritiert. Man fühlt sich überhaupt nicht in einer Hauptstadt, alles wirkt sehr provinziell. Nachts ist die Innenstadt ausgestorben und ich glaube, es gibt keine andere Hauptstadt in Lateinamerika, wo in Sachen Nachtleben weniger los ist – meine Idee war ja, Silvester in einer Metropole zu verbringen, um mehr Party-Möglichkeiten zu haben – tja, dumm gelaufen! Fast alle Lokale waren geschlossen, in einer von einem deutschen geführten Kneipe gab es ein Couchsurfer-Treffen, wo ich u.a. eine Gruppe Ungarn kennengelernt habe, die vor kurzem nach Uruguay eingewandert sind. Ferner habe ich mich mit einer Rostockerin und einer Stuttgarterin und später mit einer Gruppe Mädels aus El Salvador unterhalten. Die einzig brauchbare Location war ein von Brasis frequentierter Club, der auch als einziger in den Tagen vor und nach Silvester auf hatte. So ging gegen vier Uhr morgens eine gar nicht mal so einsame Silvesternacht zu Ende.