Da dies ein Nachtrag zu Kuba ist, möchte ich niemanden mit nicht mehr aktuellen Lageberichten langweilen, sondern zu einigen Stichworten und kuba-typischen Sachen meinen Senf dazugeben – natürlich mit den Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, ich will schließlich keinen Reiseführer schreiben.

Hier folgt also Rudis Kuba-ABC:

Almendrón: Bezeichnung für die Oldtimer, die in Kuba allgegenwärtig sind. Es sind meistens amerikanische Fabrikate der Marken Dodge, Plymouth, Ford und Chevrolet, die von ihren flüchtenden Besitzern nach der Revolution zurückgelassen wurden. Viele sind ihres V8-Herzes beraubt worden, und mutierten zu stinkenden Diesel-Fressern, da Benzin viel zu teuer für diese Spritschlucker ist. Vom toprestaurierten Vehikel bis zum absoluten Schrotthaufen sind sämtliche Verfalls-Stadien vertreten. Ich liebe diese alten Dinger, sie sind eine Augenweide.

Bici-Taxi: das sind Fahrrad-Taxis, die es in den witzigsten Eigenkonstruktionen gibt. Neben dem Fahrer haben 1-2 Passagiere Platz, Touristen zahlen immer zu viel. Der Fahrer dieser skurrilen Fortbewegungsmittel sind mit allen Wassern gewaschen und kennen natürlich alle guten Restaurants und Unterkünfte (falls du mitgehst erhalten sie eine Provision, die du zahlen musst, s. Negocios)

Carnaval: gibt es im Juli und August fast überall im Land, der berühmteste und bunteste findet jedoch in Santiago de Cuba statt. Und ich war dabei! Bilder sagen mehr als Worte, schaut sie euch an, es lohnt sich! Der Karneval war einer der Höhepunkte meiner Kubareise, wobei ich vom Körpereinsatz der Zuschauer etwas enttäuscht war (s. Lethargie). Da sind die Brasilianer definitiv tanzwütiger.

Draußen: findet das Leben in Kuba statt. Sobald es abends angenehmer wird, sitzen die Leute draußen vor ihren Häusern und besprechen den letzten Klatsch und Tratsch, spielen Domino oder Schach, warten und waschen ihre alten MZ- und Jawa-Motorräder auf der Straße. Diejenigen, die das Fernsehprogramm nicht verpassen möchten, sitzen bei geöffneten Fenstern und Türen in ihren Schaukelstühlen. Ich liebe es, beim abendlichen Spaziergang in die Wohnungen zu spicken, das allein ist schon fast eine Reise nach Kuba wert. Übrigens gibt es selten Glasfenster, stattdessen nur Alu- oder Holzlamellen-“Jalousien“, die allerdings nur vor der Sonne schützen und sämtlichen Straßenlärm ungefiltert in die Wohnung lassen.

Essen: Es gibt Reis, Baby! Und das jeden Tag, arrgghhh!!! Es gibt zwar als Beilage auch mal miserable Pommes, aber nicht überall. Vegetarier haben ganz schlechte Karten, Kubaner lieben Fleisch, es gibt wahlweise Schwein, Hähnchen oder Rind. Fisch oder Krabben sind eine gute Alternative, wobei oft paniert/frittiert weiß-der-Geier-was wird. Als Ausweg bietet sich noch die Pizza an, die aber nur aus Teig, Fett und Käse – wahlweise seltsamen Schinken – besteht.

Fidel Castro: er ist gerade 85 geworden und man hört kein schlechtes Wort über ihn, obwohl viele Kubaner das System kritisieren. Es gibt überall „Viva Fidel“-Plakate oder Schmierereien an irgendwelchen Wohnblockwänden. Auch wenn die Amtsgeschäfte vor Jahren an Bruder Raúl übertragen worden sind, gibt es täglich Artikel in den Zeitungen über ihn. Zusammen mit Che Guevara ist er fraglos der Größte für die meisten Kubaner, zumindest ist dies mein Eindruck gewesen. Der alte Mann scheint ziemlich krank zu sein und wird es wohl nicht mehr lange machen – was wird dann in Kuba passieren?

Geld: es gibt zwei Währungen, 1. Moneda Nacional, in der Kubaner i.d.R. ihr Gehalt ausgezahlt bekommen und wofür man nicht viel kaufen kann (Eis, Pizzen an Straßenständen, regionale Früchte und Gemüse, Bici-Taxis, Busfahrten; man kann damit in für Kubaner vorgesehenen Restaurants zahlen) und es gibt 2. Peso Convertible (genannt CUC oder dolares), mit denen man alles andere – inklusive Mineralwasser, Dosenbier, Kleidung und Elektroartikel kaufen kann. Ca. die Hälfte der Kubaner hat keinen Zugang zu CUCs, was zu wirklich harten Lebensbedingungen führt – das Durchschnittsgehalt beträgt nämlich umgerechnet nur ca. 15 Euro!

Granma: ist die täglich erscheinende Zeitung in Kuba, es ist ein 8-seitiges Propagandablatt und nicht wirklich informativ. Und ich dachte unsere ungarische Zeitung Jelen in meiner alten Heimat Rumänien sei Käse… Die gleichnamige Yacht, mit der die Bärtigen damals nach Kuba kamen und die als nationales Geschichtsgut gilt, wird in einem Glas-Sarkophag im Museu de la Revolución in Havanna aufbewahrt und rund um die Uhr von Soldaten bewacht.

Hitze: bei unbewölktem Himmel ist es lebensgefährlich zwischen 10 und 15 Uhr ohne Sonnenschutz auf der Straße herumzulaufen. Ich schaffe es, nach 5 Minuten Radfahren komplett durchgeschwitzt zu sein, wohlgemerkt morgens um 5:30 h, wenn die Sonne noch gar nicht aufgegangen ist. Juli und August sind die heißesten Monate und selbst Kubaner ächzen und stöhnen. „Que calor“ („Was für eine Hitze!“) hört man täglich zigfach.

Internet: gibt es für Privathaushalte nicht, ganz wenige haben einen illegalen Zugang. Touristen blechen ca. 5 Euro/ Stunde in Telekommunikationsläden oder größeren Hotels, wobei man eine Tarjeta mit zwei Zugangscodes erwirbt, die man dann am speziellen PC eingeben muss. WLAN gibt’s nicht, du kannst also dein Notebook zuhause lassen.

Jinetera: die männliche Form (Jinetero) ist unter „Negocios“ beschrieben, mit Jinetera (wörtl. Reiterinnen) ist die weibliche Form der meist jungen und hübschen „Businessfrauen“ gemeint, die den männlichen Touristen als Zielscheibe für ihre Liebespfeile auserwählt haben. Dabei handelt es sich um Freizeitschlampen, die neben ihrer Arbeit oder ihrem Studium Geld mit gelegentlichen Liebesdiensten verdienen. Sie stehen oft vor Diskotheken herum, weil sie den Eintritt nicht bezahlen können oder wollen und genau hier sprechen sie potenzielle Kunden an. In Cienfuegos habe ich meinen Augen nicht getraut, als ich zwei Italiener um die 70 mit zwei jungen Kubanerinnen gesehen habe, die kaum volljährig waren. Das ist an Widerlichkeit kaum zu überbieten und es scheint auch keinen zu stören, weil alle damit Geld verdienen. Ich wurde auch mehrfach angesprochen, wobei die Mädels nicht immer sofort mit der Tür ins Haus fallen. Wenn das Geschäft zustande kommt, geht man in ein illegales Hotel, es ist Kubanern untersagt, den Touristen in sein Hotel oder Casa Particular ohne Registrierung bei der Behörde zu begleiten! Bei drei Registrierungen mit drei verschiedenen Touristen wandern die Mädels in den Knast!

Kriminalität: ich habe es geschafft, mir meine Geldbörse klauen zu lassen, es war an Karneval in Santiago und es war im Gedränge. Außer Personalausweis nichts wichtiges drin, nur wenig Geld. Ich wurde von den Kubanern gewarnt und war trotzdem leichtsinnig. Dumm gelaufen. An dem Abend wurden übrigens mindestens 5 weitere erfolglose Klauversuche auf meinen schwedischen Kumpel Love und mich verübt. Ansonsten ist Kuba sicher, ich bin zu jeder Tages- und Nachtzeit herumgelaufen und es gab keine einzige bedrohliche Situation. Leider gibt es viele Besoffene, da Vorsicht!

Lethargie: beim Salsa-Tanzen gehen sie ab wie eine Rakete, aber ansonsten schien es mir, dass die Leute hier irgendwie ziemlich passiv sind, sowohl physisch als auch psychisch. Wenn ich radelnd das Land durchkreuze oder besser gesagt durchhechle, einen freundlichen „Buenos Dias“ zusammenschnaufe und als Antwort gar nichts kommt außer dass man mir dämlich nachglotzt, da könnte ich schon die Krise kriegen! Meistens sind es am Wegesrand stehende, per Pferdekarren entgegenkommende oder sogar radfahrende Zeitgenossen. Die Leute kommen hier nicht in die Puschen und alles dauert zehmal länger als in Deutschland, nicht nur Behördengänge (s. Polizei). Neben „Que calor“ sind „suave“ und „tranquilo“ die absoluten Lieblingswörter der Kubaner, was soviel wie „gemütlich“, „langsam“ oder „ruhig“ heißt.

Musik: wenn du Rock n´Roll willst, bleib´zuhause! Wenn du auf Salsa oder Son stehst, gibt es hier in jedem Kaff Live-Musik höchster Güteklasse, die Instrumente sind zwar zum Teil uralt, die Anlagen gut und die Musiker wirkliche Talente. Es macht einfach Laune, diese Musik zu hören. Es gibt „Wandermusiker“, die die Restaurants in touristischen Orten wie Trinidad abklappern und dem überschaubaren Publikum herzzerreißende Balladen vortragen. Leider driftet die Jugend davon ab, bei ihnen ist Reggaeton angesagt, das hat nix mit Reggae zu tun (armer Bob Marley…) und erst recht nichts mit „Ton“! Die Mädels tanzen zwar ziemlich geil dazu (so ähnlich wie in den übelsten Black-Music-Ghetto-Clips), aber Reggaeton ist eine vulgäre, eintönige Scheiße, die leider in jeder Dreckskneipe und jeder Open-Air-Bar läuft, es gibt kein Entkommen! Das ganze wird schon deswegen unerträglich, weil die Beschallung durch mickrige oder grottenschlechte bis jenseits der Übersteuerungsgrenze aufgedrehte Boxen erfolgt – die Tonqualität eines Grammophons ist High-End dagegen – und kein Kubaner scheint sich daran zu stören.

Negocios: Kubaner sind die größten Kapitalisten der Welt und verstehen es, aus jedem Mist ein Business zu drehen. Immer charmant, immer freundlich, machen sie mit einem „Holaaaa Amiigoooo!“ auf sich aufmerksam. Sie wollen einem ein gutes Restaurant oder eine Unterkunft empfehlen, dir eine Halskette, Zigarren oder einen Geldschein mit Che Guevaras Konterfei verkaufen oder dich per Bici-Taxi, Pferdekarre oder illegalem Privat-Auto durch die Gegend kutschieren. Oder sie sprechen einen auf der Straße an, machen Small Talk und möchten dann einen mit dir trinken oder in eine Disko gehen, wobei du als reicher Ausländer selbstverständlich alles zahlen muss. Mir wollten sie schon meine Hose und mein T-Shirt vom Leib kaufen (oder geschenkt bekommen), die sie dann gewinnbringend weiterveräußern würden. Oft wird man nach Seife, Kugelschreibern oder Bonbons gefragt. Eine alte Dame habe ich im touristischen Parque Cespedes in Santiago gesehen, die sich aufgetakelt und „hübsch typisch kubanisch“ zurechtgemacht mit Zigarre im Mund sich demonstrativ in die Nähe von Touris gesetzt hat. Wenn diese die Kamera gezückt haben, hat bei ihr die Kasse geklingelt. Sehr erfindungsreich und durchtrieben, diese Kubaner. In Trinidad haben mich diese sog. Jineteros in den Wahnsinn getrieben, in anderen Orten kann man ihnen ganz gut aus dem Weg gehen, aber als Touri verlierst du immer bei diesem Geschäft.

Policía: es ist Kubaner(inne)n untersagt, sich mit Ausländern zu treffen, und die allgegenwärtige Polizei wacht darüber. Dies dient zur Eindämmung der Prostitution, in der Praxis geht das aber kläglich in die Hose (s. Jineteras). Das macht es Individualtouristen schwer, mit normalen Kubanerinnen ins Gespräch zu kommen, weil diese Angst vor einer Verhaftung haben. Die Polizei lässt Ausländer in Ruhe, ich wurde nie kontrolliert oder nach dem Ausweis gefragt. Als ich allerdings meinen Geldbörsenraub (s. Kriminalität) bei der Polizei gemeldet habe, musste ich rund 5 Stunden auf dem Polizeipräsidium verbringen, bis alle Details aufgenommen und alle Listen und Protokolle ausgedruckt und unterschrieben worden sind. Während der Erstellung des Protokolls gab es einen Stromausfall, so dass von Neuem begonnen werden musste: immerhin hat die Polizei Computer, meine Anzeige wurde per Nadeldrucker auf bereits verwendetem alten Papier ausgedruckt. Die Kopie davon habe ich erhalten und sie ist ein einmaliges Souvenir aus Kuba.

Radfahren: die Etappenlänge wird von der Entfernung zwischen den Städten diktiert, unterwegs in den Dörfern kann man bestenfalls ein paar Bananen kaufen. Meine längste Etappe ging von Cienfuegos nach Colón, 109 km und in der Hitze eine ziemliche Qual. Ansonsten macht Radfahren in Kuba Spaß: die Straßen der Hauptverbindungsrouten sind in gutem Zustand, das Verkehrsaufkommen gering und die überholenden Fahrzeuge lassen genügend Abstand, so dass ich das Radfahren als sicher einstufen würde. Die typischen Radfahrtage beginnen mit einem ordentlichen Frühstück – je nach Etappenlänge zwischen 04:30h und 06:30h. Ich stelle wegen der Hitze freiwillig den Wecker, ab 10:00h ist es so heiß, dass ich bis zu dieser Uhrzeit versuche, am Ziel zu sein. Bei langen Etappen kann es aber auch schon 11:30h werden. Danach suche ich mir eine Casa Particular (s. Übernachtung) dusche, esse etwas und ruhe mich aus. Abends geht’s auf die erste Sightseeing-Tour durch die neue Stadt.

Touristen: gibt es viele in Kuba, die Mehrheit hockt in den All-Inclusive-Clubs und kommt aus Kanada, Europa und auch mal Australien oder Israel. Die höchste Konzetration habe ich in Trinidad erlebt, wo ich einige nette deutsche Mädels kennengelernt habe. Aber auch Santiago und vor allem Havanna natürlich sind voll mit ausländischen Besuchern.

Übernachtung: es gibt Hotels der hässlichen Plattenbauart über All-Inclusive-Anlagen in den Ferien-Resorts wie Varadero und Guardalavaca bis zu (für mich) unbezahlbaren Luxus-Herbergen mit Marmor und Mahagoni. Ich bevorzuge die Casa Particular, das ist ein privates Haus bei einer Familie, die 1-3 Zimmer ihrer Bleibe an Touristen vermietet. Das ist die beste weil günstigste und direkteste Art, in Kuba zu übernachten; Familienanschluss oft inklusive. Frühstück gibt es immer, auf Wunsch wird man bekocht, was lecker aber nicht immer günstig ist. In kleineren nicht touristischen Städten wie Cueto oder Colón gibt es keine Casas, da muss man privat, also „schwarz“ unterkommen.

Verständigung: ich wurde bereits am Anfang meiner Reise ins kalte Wasser geschmissen und musste mich in Banes mit den Mädels Elisabet und Cari auf spanisch unterhalten, weil diese kein Wort Englisch konnten. Das hat auch volle 3 Tage lang gut hingehauen, wobei es immer noch für mich schwer ist, Kubaner zu verstehen: wenn sie miteinander reden bin ich raus. Mit englisch kommt man selten und eher nur in Touri-Hotels weiter, ich habe ein paar wenige getroffen, die in der DDR gearbeitet haben und sehr gut deutsch sprachen. Ohne Spanisch-Kenntnisse hat man deshalb schlechte Karten, viel über Land und Leute zu erfahren.

Wasser: Zum Trinken eignet sich für Touri-Mägen nur Mineralwasser, was in der 1,5-Liter-Flasche umgerechnet ab 50 Euro-Cent kostet, im 5-Liter-Bottich billiger. In Restaurants für Kubaner, in denen ich auch manchmal gespeist habe, wird einem umsonst und ohne nachfragen zu müssen, gefiltertes Leitungswasser eingeschenkt, was je nach Region ziemlich übel riechen und schmecken kann und dem Verdauungstrakt Probleme bereitet. Dank der Hitze trinkt man auch wie ein Kamel, 3-4 Liter am Tag sind problemlos möglich.

Zirkus: Schon die alten Römer wussten mit „Brot und Zirkus“ ihr Volk zufriedenzustellen. Nicht viel anders ist es in Kuba. Hier hat die Regierung jedem Haushalt einen Fernseher geschenkt, der für die tägliche Berieselung mit kubanischen Telenovelas und ähnlichem Schrott sorgt („Zirkus“). Um die Lebensmittelaufbewahrung zu vereinfachen („Brot“) gab es auch gleich einen stromsparenden Kühlschrank dazu. Also alles nicht viel anders als vor zwei Jahrtausenden.