Auf den rund 400 km zwischen Cusco und dem am Titicacasee gelegenen Puno gibt es relativ wenige touristische Sehenswürdigkeiten. In Sicuani habe ich ein französisches Pärchen getroffen, dass mit dem Rad in umgekehrter Richtung unterwegs war. Überhaupt gab es auf diesem Abschnitt viele Reiseradler, später habe ich noch den Brasilianer Fabio getroffen sowie ein englisch-polnisches Pärchen, das eine Weltumrundung anstrebt. Auch Motorradfahrer, die meistens in größeren Gruppen aus den Nachbarländern kommen, habe ich einige gesichtet. Mit dem Pass Abra La Raya auf 4.338 m Höhe habe ich im wahrsten Sinne des Wortes den Höhepunkt meiner Tour überwunden. Am gleichen Abend habe ich in dem Dörfchen Santa Rosa meine günstigste Übernachtung gehabt: umgerechnet weniger als 2 Euro für die Nacht! Wer bietet weniger? In Ayaviri hatte ich meine erste Couchsurfing-Erfahrung: die Franzosen Camila und Yves arbeiten für die von der Caritas unterstützten Agrarprojekte. Sie bewohnen ein riesiges Haus, das früher ein Hotel war und ich habe mich blendend mit den beiden verstanden. Gerade zu diesem Zeitpunkt war Dorffest und so habe ich meinen ersten Stierkampf mit anschließender Musik- und Tanzdarbietung besucht. Das Ganze fand in einer riesigen 2- bis 3-stöckigen aus Holzbrettern und -Pfählen in nur einem Tag zusammengeschusterter Arena statt. Der Zuschauerbereich ist in tausende kleiner Parzellen aufgeteilt, die sich jede Familie aus der Region anmieten kann. So waren wir auf Freunde von Camila und Yves angewiesen, um überhaupt einen Sitzplatz zu bekommen.

Die Schwarzmarktstadt Juliaca habe ich ganz schnell wieder verlassen, etwas Unattraktiveres kann man sich nicht vorstellen, dieses Verkehrs- Chaos verursacht durch Bici- und Tricitaxis muss man nicht gesehen haben.

Puno an sich ist auch keine wirklich schöne Stadt, von der obligatorischen Plaza de Armas vielleicht mal abgesehen, aber das Tor zum ultratouristischen Titicacasee. So habe auch ich eine eintägige Bootsfahrt gebucht und die Uros und die Taquile besucht. Die Uros leben auf Inseln erbaut aus Tortora-Schilf, ihre Boote und ihre Häuser sind ebenfalls aus diesem Material und sie leben mittlerweile sehr gut vom Tourismus. 5 Stunden Bootsfahrt mussten wir Touris auf uns nehmen, um die Insel der Taquile gesehen zu haben, auf der es keine Autos gibt. Ich habe mein Rad mitgenommen, um damit die Insel zu erkunden, aber Radfahren kann man dort vergessen. Die Wege bestehen aus hunderten von Treppen, die Pfade sind aus riesigen Steinen, so dass man aufpassen muss, dass man beim Gehen nicht umknickt. Ich hatte noch 3 Tage später Muskelkater vom Fahrradtragen… Nach drei Tagen Puno bin ich über Julí nach Copacabana in Bolivien gefahren, 154 km verteilt auf zwei Tage, die letzte Peru-Etappe hatte es wirklich in sich!